De-Mail: Brauch ich nicht
Zugegeben: Die Überschrift ist etwas provokativ. Wer sich erst einmal informieren will, was De-Mail eigentlich ist, kann dies sehr schön bei politik-digital.de nachlesen. Kurzum: Es geht darum E-Mails “geschäftsfähig” zu machen. Wenn ich meine künftige De-Mail-Adresse in ein Verzeichnis eintrage, kann Geschäfts- oder Behördenpost an mich elektronisch zugestellt werden.
Mir stellt sich nur eine Frage: Wo sind für mich die Vorteile? Will ich Behördenpost wirklich elektronisch empfangen können? Soll heißen: Warum soll ich es der Behörde einfacher machen, mir einen Bußgeldbescheid zuzustellen? Ist es erst einmal einfach und kostengünstig möglich, solche Briefe zu verschicken (amtlich heißt das “zustellen”) könnte die Zahl der Radarfallen größer werden. Das mögen manche gut finden. Ich gehöre nicht dazu.
Auch soll durch De-Mail die Kommunikation einfacher werden. Schöne Theorie. Schon heute kann ich fast alles im Internet online bestellen oder Verträge abschließen. Und das ohne Unterschrift. Will ich die Verträge hingegen kündigen, baut mir der Vertragspartner hohe Hürden auf und verlangt die Schriftform. Zu meiner Sicherheit – versteht sich. Warum das gleiche Sicherheitsargument beim Vertragsabschluss außen vor bleibt, kann man sich denken. Ob De-Mail hier die große Erleichterung bringt, darf man bezweifeln. Mein Handyanbieter wird mir die Kündigung kaum erleichtern wollen.
Kurz nach der Jahrhundertwende durfte ich für meinen Arbeitgeber an einem Pilotprojekt zur elektronischen Signatur teilnehmen, das damals von der Deutschen Post federführend betrieben wurde. Ich erhielt dazu eine Karte mit einem Chip. Bevor ich jedoch meine erste elektronisch signierte E-Mail verschicken konnte, war das Projekt wieder eingestellt (mangels Nachfrage). Ob De-Mail jetzt ein massenhafter Erfolg wird, möchte ich bezweifeln. Ich brauche das jedenfalls nicht. Genauso wenig brauche ich die elektronische Steuererklärung (ELSTER) solange ich die Belege nach wie vor offline ans Finanzamt senden muss. Außerdem hätte ich kein gutes Gefühl dabei mir eine staatliche Software auf meinen PC zu installieren – so KÖNNTE man ganz leicht die Firewall umgehen und den Bundestrojaner unters Volk bringen. Dies wird höchstwahrscheinlich nicht passieren, aber das Vertrauen ist seit der Vorratsdatenspeicherung nun mal dahin.
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