Lehrer fördern Lehrerbenotung oder wie objektiv sind eigentlich Lehrer?
Seit einiger Zeit gibt es eine Website auf der Schüler ihre Lehrer benoten können. Klar, dass das einigen Lehrern nicht gefällt. Besonders schlecht finden das vermutlich die Lehrer, die bei der Benotung nicht gut weg kommen. Das haben sie wohl mit ihren Schülern gemeinsam.
Bereits innerhalb weniger Monate sollen nicht weniger als 250.000 Lehrer auf der Seite benotet worden sein. Ganz schön viel. Kräftigen Auftrieb dürften der Seite die Klagen einiger Lehrer gegeben haben, die eigentlich ihre Benotung verhindern wollten. Ein Spiel mit hohem Risiko. Ist die Klage erfolgreich, wäre die Benotung in der Tat weg. Scheitert die Klage, bekommt die Seite soviel kostenlose PR wie sie in Jahren nicht hätte bezahlen können und der Schuss geht nach hinten los. Bislang ging er nach hinten los – jedenfalls aus Sicht einiger Lehrer.
Dass vielen Lehrern die Benotung nicht gefällt, ist nachvollziehbar. Benotungen sind auch subjektiv – egal auf welcher Seite des Klassenzimmers man sitzt bzw. steht. Mir fällt da zum Beispiel mein Lehrer aus dem Deutsch-LK ein. Während viele Schüler (darunter auch ich) den Deutsch-LK nur aus reiner Verlegenheit wählten, gab es auch eine Schülerin, die vollen Einsatz zeigte. „Zeigen“ trifft die Sache recht genau. Es war wirklich ein Wunder, dass es in der Stadt überhaupt noch Miniröcke zu kaufen gab. Eigentlich wähnten wir dieselben alle im Kleiderschrank dieser Schülerin. Damals – als die Klimakatastrophe noch nicht so weit vorangeschritten war wie heute – waren die Winter auch noch richtig kalt. Umso beeindruckender war es wie die Ärmste sich in ihren dünnen Strumpfhosen Tag für Tag in die Schule quälte. Und während wir alleine schon deswegen gerade auf den Stühlen saßen, um den Kopf auf einem Arm abstützen zu können, saß die Schülerin um 90 Grad gedreht. Es wäre ja auch zu schade gewesen, wenn der Tisch ihre zugegebenermaßen wohlgeformten Beine verdeckt hätte. Letztlich profitierten auch wir davon. Die Blicke unseres Deutsch-Lehrers gingen in die andere Richtung und wir hatten unsere Ruhe. Hin und wieder habe ich auch hingeschaut, ich geb´s ja zu.
Gelegentlich schreibt man dann auch Klausuren. Echt nervig, muss man dann doch die Bücher kurz davor auch noch lesen, die wochenlang im Unterricht besprochen wurden. Zum Glück war der Lehrer ein wenig faul und stellte gerne Klausuren, die in den Vorjahren in den Abiprüfungen dran waren. Dank Musterlösungen hierzu konnte ich einmal so auch einigermaßen erfolgreich eine Klausur über ein Buch schreiben, das ich nach 15 Seiten aufgegeben hatte zu lesen. „Mutmaßungen über Jakob“ von Uwe Johnson ist nicht gerade leicht verdauliche Kost, wenn im Fernsehen Fußball läuft. Bei einem anderen Buch war ebenfalls jeder im Kurs mit der Musterlösung präpariert. Während ich es in der Klausur darüber auf 7 Punkte brachte, schaffte die kurzberockte Kollegin immerhin deren 14. Die Verpackung war hier wohl in jeder Hinsicht besser. Selbstredend hatte die junge Dame auch eine sehr gute mündliche Note.
Ich glaube noch nicht einmal, dass sie bewusst bevorzugt wurde. Nein, der Lehrer empfand es wirklich so, dass sie die Beste war. Sie war es ja auch.
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