SPD-Chef wollte ich nicht sein
Nicht dass ich meinen würde, man bräuchte die Linkspartei. Ich halte sie vielmehr für ein Produkt mangelnder Opposition in Zeiten einer großen Koalition. Während bei der ersten großen Koalition die Rechten Auftrieb erfuhren, ist es dieses Mal die Linkspartei. Das Wählerpotenzial dieser Parteien überschneidet sich, auch wenn die Linkspartei und Rechtsradikale programmatisch sicher sehr weit auseinander liegen. Beide Gruppierungen dürften ihre Wähler hauptsächlich aus Kreisen rekrutieren, die die Angst vor dem sozialen Abstieg oder mangelnde Aussicht auf einen Aufstieg plagt.
Der SPD-Vorsitzende wird nun schwer angegriffen, weil er auch im Westen eine (passive) Zusammenarbeit mit der Linkspartei ins Spiel bringt. Dass dies zur Empörung führt, wundert nicht. Wenn nun aber die CDU heftig mit den Grünen flirtet und sich so neue Optionen eröffnet, bleibt der SPD kaum etwas anderes übrig, ihrerseits ebenfalls nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Tut sie das nicht, bleibt sie wohl auf lange Zeit der Juniorpartner der Union in großen Koalitionen oder verschwindet gleich ganz in der Opposition.
Riskant ist das Spiel jedoch allemal. Für Wähler aus der Mitte, zu denen ich mich auch rechnen würde, wird die SPD damit kaum noch wählbar. Ich wollte jedenfalls nicht von der Linkspartei (mit)regiert werden. Die Folge einer Zusammenarbeit wäre m.E. zwangsläufig, dass die SPD in der Mitte verliert. Wo will sie aber hinzu gewinnen? Weiter links ist schon eine andere Partei und die Grünen positionieren sich dort auch irgendwo. Gut, dass ich nicht Vorsitzender der SPD bin und mir darüber ständig Gedanken machen muss.
Noch keine Kommentare