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Archiv der Kategorie 'Gerechtigkeit'

Wer findet was gerecht?

Vor einigen Wochen las ich auf “Spiegel Online” einen Artikel über mögliche Koalitionen nach der kommenden Bundestagswahl. Als durchaus wahrscheinliche Konstellation wurde schwarz-gelb genannt. Gleich im nächsten Satz wurde ausgeführt, dass diese Koalition eigentlich keiner wolle. Zunächst einmal eine gewagte These. Wenn eine Mehrheit der Wähler ihr Kreuzchen bei einer dieser beiden Parteien macht (mit der CSU sind es ja eigentlich drei), kann man schwerlich behaupten, dass zumindest deren Wähler nicht von den von ihnen gewählten Parteien regiert werden wollen. Begründet wurde dies damit, dass Union und FDP eher “gestrige” Themen vertreten würden und nicht das derzeit beherrschende Thema “Gerechtigkeit”. In der Tat werden Union und FDP in Umfragen eher Kompetenz im Bereich “Wirtschaftspolitik” nachgesagt. Das Thema “Gerechtigkeit” oder erweitert “soziale Gerechtigkeit” wird eher als Stärke der SPD oder vielleicht auch noch der Linken betrachtet.

Nun soll man keiner Umfrage trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Die Möglichkeiten der Manipulation sind je nach Fragestellung relativ groß. Tatsächlich bezeichnen viele das Thema “Gerechtigkeit” derzeit als ein wichtiges. Wundern tut es nicht. Viele stellen fest, dass sie immer weniger zum Leben haben. Die hohen Energiepreise belasten zusätzlich. Klar, dass viele das nicht als gerecht empfinden. Doch was ist eigentlich “Gerechtigkeit”? Wer in Umfragen das Schlagwort “Gerechtigkeit” als Thema genannt bekommt, wird dazu neigen, dieses auch auszuwählen. Außer vielleicht diejenigen, denen es wirtschaftlich so gut geht, dass sie mehr Gerechtigkeit zwangsläufig als Angriff auf ihren Geldbeutel ansehen müssen. Ich werde dennoch den Verdacht nicht los, dass Umfragen, die dieses Thema als das Beherrschende herausstellen, es in seiner vollen Tragweite gar nicht erfassen können. Vielmehr besteht auch dieses Thema aus sich teilweise widerstrebenden Partikularinteressen.

Wer findet eigentlich was gerecht?

Diejenigen, die keine Arbeit haben und in den vergangenen Jahren erhebliche Einbußen bei den staatlichen Leistungen hinnehmen mussten, fühlen sich ungerecht behandelt. Natürlich hat die empfundene Ungerechtigkeit nicht nur monetäre Ursachen. Geld ist aber in einer hochentwickelten Gesellschaft eine der wichtigsten Ressourcen, die man braucht, um zu überleben.

Die sogenannte “Mittelschicht”, die derzeit gerne durch die Medien geistert, empfindet es als ungerecht, dass sie unter einer hohen Abgabenlast und steigenden (Energie-) Preisen leidet und sich – obwohl sie arbeitet – immer weniger leisten kann.

Dann gibt es die Rentner. Sie werden mehr und leben länger. Vor allem Letzteres ist natürlich gut. Wenn sie überhaupt eine Rentenerhöhung erhalten, liegt diese weit unterhalb der Preissteigerung. Dies führt im Laufe der Zeit zu einer deutlichen Rentenkürzung, die als ungerecht empfunden wird. Auch wenn es (derzeit noch) keine verbreitete Altersarmut gibt, kann sich die Mehrzahl der Rentner eine monatelange Überwinterung an der Playa de Palma auf Mallorca sicher nicht leisten.

Nicht vergessen werden sollten die sogenannten “Leistungsträger”. Diese arbeiten nach eigener Einschätzung viel und hart und haben deshalb ein gutes Gehalt verdient (was ab einer gewissen Höhe sicher fragwürdig ist). Sie empfinden es als ungerecht, dass sie hohe Abgaben zu leisten haben, um damit Personen zu unterstützen, die weniger hart oder vielleicht auch gar nicht arbeiten (können oder im Einzelfall mitunter auch nicht wollen).

Diese Gruppen (man könnte sicher noch mehr aufführen) fühlen sich alle ungerecht behandelt. Doch wer wird es nun wirklich? Verteilt man innerhalb der zuvor genannten Gruppen um, steigert dies die empfundene Ungerechtigkeit bei der dann (noch) stärker belasteten Gruppe umso mehr. Will man alle genannten Personengruppen entlasten oder zumindest nicht stärker belasten, muss man sich das Geld woanders holen. Nach Lage der Dinge bleiben nur die Unternehmen übrig. Treiben diese in der globalisierten Welt aber nicht längst was sie wollen? Kann das Ergebnis jedoch sein, dass alles so bleibt wie es ist?

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Chef vom Mieterbund will mindestens 21 Grad im Winter

Gerade lese ich in der Zeitung, dass der Chef vom Mieterbund für den kommenden Winter Hilfen für die Heiz- und Stromkosten fordert. Das Interview kann man unter diesem Link nachlesen.

Bemerkenswert finde ich seine Aussage, dass die Zimmertemperatur in Wohnräumen auf keinen Fall unter 21 Grad liegen dürfe. Manche Leute würden sich erst bei 22 oder 23 Grad wohl fühlen.

Natürlich muss das möglich sein. Die Frage ist nur wer’s bezahlen soll. Nun will ich keine Hetze gegen Menschen betreiben, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Dies alleine schon deswegen nicht, weil viele davon für ihre Lage nichts können und selbst darunter am meisten leiden. Auch ich kenne einige solche “Fälle”, wobei hinter den “Fällen” immer Menschen stehen. Das sollte man nicht vergessen.

21 Grad oder noch mehr finde ich aber zuviel des Guten. Ich bin Vater von drei Kindern und außer dem Kindergeld erhalten wir keine staatlichen Leistungen. Mit anderen Worten: Meine Frau und ich müssen das Geld für unsere Familie verdienen und zahlen darüber hinaus auch noch Steuern. Auf die Idee, die Zimmer im Winter auf 21 Grad oder gar noch höher zu heizen, sind wir bereits in den vergangenen Wintern nicht gekommen. Bei den jetzigen Energiepreisen werden wir das im kommenden Winter erst recht nicht tun können oder wollen.

Warum es von unseren Steuergeldern dann anderen ermöglicht werden soll, will sich mir nicht erschließen. 19 oder 20 Grad reichen meiner Meinung nach, zumal jedes Grad mehr die Heizkosten enorm nach oben treibt.

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Schwarzgeld in Liechtenstein: Die gespielte Empörung

Leider habe ich andere Sorgen als mich damit zu beschäftigen wie ich mein Geld möglichst “steuersparend” anlegen kann. So werde ich heute wohl auch keinen Besuch der Steuerfahndung bekommen. Relativ arm zu sein hat also auch seine Vorteile.

Der (ehemalige) Vorstandschef eines DAX-Unternehmens hat nun andere Probleme. Die Kamerateams waren schon da als dessen Villa leergeräumt wurde. Zufälle gibt es…

Bleibt zu hoffen, dass an den Vorwürfen etwas dran ist, sonst wäre ein Unschuldiger öffentlich hingerichtet und beruflich vernichtet worden. Die anderen – vermeintlich kleineren – Fische werden seit Donnerstag damit beschäftigt gewesen sein, belastendes Material wegzuschaffen. Wo jetzt noch nicht durchsucht wurde, braucht man eigentlich nicht mehr hin. So bleibt den Fahndern zwar das Material, das sie für teures Geld gekauft haben und bereits besitzen. Ob der mutmaßliche Steuerflüchtling aber bei fünf anderen Banken im Ausland ebenfalls dem Finanzamt unbekannte Konten unterhält, ließe sich nur bei einer überraschenden Durchsuchung klären. Wer Dreck am Stecken hat, weiß dies und dürfte seine privaten Unterlagen dem drohenden Zugriff der Fahnder inzwischen längst entzogen haben.

Mir stellt sich die Frage, ob jeder, der sich jetzt über die “Großen” empört, selbst steuerehrlich ist. Wer im Kleinen bei den Fahrten zur Arbeitsstelle großzügig drei oder vier Kilometer mehr angibt als tatsächlich gefahren, braucht sich nicht zu wundern, wenn der “Große” im Rahmen seiner Möglichkeiten ebenfalls betrügt. Das eigene Verhalten rechtfertigen die Betroffenen am Stammtisch damit, dass “es” andere ja auch tun. Dort gelten sie eher als “clever”, wenn sie ein wenig bescheißen. Hierin sehe ich das eigentliche Problem. Die Unehrlichkeit betrifft im Bereich der Steuern einen relativ breiten Teil der Gesellschaft. Da wundert es nicht, dass auch alle Schichten davon betroffen sind.

Gut, dass ich nicht so viel verdiene. Da kommt man erst gar nicht in Versuchung.

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Lehrer fördern Lehrerbenotung oder wie objektiv sind eigentlich Lehrer?

Seit einiger Zeit gibt es eine Website auf der Schüler ihre Lehrer benoten können. Klar, dass das einigen Lehrern nicht gefällt. Besonders schlecht finden das vermutlich die Lehrer, die bei der Benotung nicht gut weg kommen. Das haben sie wohl mit ihren Schülern gemeinsam.

Bereits innerhalb weniger Monate sollen nicht weniger als 250.000 Lehrer auf der Seite benotet worden sein. Ganz schön viel. Kräftigen Auftrieb dürften der Seite die Klagen einiger Lehrer gegeben haben, die eigentlich ihre Benotung verhindern wollten. Ein Spiel mit hohem Risiko. Ist die Klage erfolgreich, wäre die Benotung in der Tat weg. Scheitert die Klage, bekommt die Seite soviel kostenlose PR wie sie in Jahren nicht hätte bezahlen können und der Schuss geht nach hinten los. Bislang ging er nach hinten los – jedenfalls aus Sicht einiger Lehrer.

Dass vielen Lehrern die Benotung nicht gefällt, ist nachvollziehbar. Benotungen sind auch subjektiv – egal auf welcher Seite des Klassenzimmers man sitzt bzw. steht. Mir fällt da zum Beispiel mein Lehrer aus dem Deutsch-LK ein. Während viele Schüler (darunter auch ich) den Deutsch-LK nur aus reiner Verlegenheit wählten, gab es auch eine Schülerin, die vollen Einsatz zeigte. „Zeigen“ trifft die Sache recht genau. Es war wirklich ein Wunder, dass es in der Stadt überhaupt noch Miniröcke zu kaufen gab. Eigentlich wähnten wir dieselben alle im Kleiderschrank dieser Schülerin. Damals – als die Klimakatastrophe noch nicht so weit vorangeschritten war wie heute – waren die Winter auch noch richtig kalt. Umso beeindruckender war es wie die Ärmste sich in ihren dünnen Strumpfhosen Tag für Tag in die Schule quälte. Und während wir alleine schon deswegen gerade auf den Stühlen saßen, um den Kopf auf einem Arm abstützen zu können, saß die Schülerin um 90 Grad gedreht. Es wäre ja auch zu schade gewesen, wenn der Tisch ihre zugegebenermaßen wohlgeformten Beine verdeckt hätte. Letztlich profitierten auch wir davon. Die Blicke unseres Deutsch-Lehrers gingen in die andere Richtung und wir hatten unsere Ruhe. Hin und wieder habe ich auch hingeschaut, ich geb´s ja zu.

Gelegentlich schreibt man dann auch Klausuren. Echt nervig, muss man dann doch die Bücher kurz davor auch noch lesen, die wochenlang im Unterricht besprochen wurden. Zum Glück war der Lehrer ein wenig faul und stellte gerne Klausuren, die in den Vorjahren in den Abiprüfungen dran waren. Dank Musterlösungen hierzu konnte ich einmal so auch einigermaßen erfolgreich eine Klausur über ein Buch schreiben, das ich nach 15 Seiten aufgegeben hatte zu lesen. „Mutmaßungen über Jakob“ von Uwe Johnson ist nicht gerade leicht verdauliche Kost, wenn im Fernsehen Fußball läuft. Bei einem anderen Buch war ebenfalls jeder im Kurs mit der Musterlösung präpariert. Während ich es in der Klausur darüber auf 7 Punkte brachte, schaffte die kurzberockte Kollegin immerhin deren 14. Die Verpackung war hier wohl in jeder Hinsicht besser. Selbstredend hatte die junge Dame auch eine sehr gute mündliche Note.

Ich glaube noch nicht einmal, dass sie bewusst bevorzugt wurde. Nein, der Lehrer empfand es wirklich so, dass sie die Beste war. Sie war es ja auch. ;-)

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