21.05.2009 Politik
Übermorgen ist die Bundespräsident(inn)enwahl. Ich hoffe, dass Frau Schwan danach dann wieder aus den Medien verschwindet. Ein bisschen bin ich in dieser Frage natürlich auch regional befangen. Einen Schwaben gegen eine Frau aus dem Nichtschwabenland einzutauschen wollte ich als Schwabe nicht wirklich.
Wirklich genial war aus Sicht der Union der Coup, die gute Frau kurz vor der Wahl zu einem Statement zu zwingen, ob die DDR ein Unrechtsstaat war. Dabei kann sie nur verlieren. Sagt sie ja, kann sie wohl einige Stimmen der Linkspartei abschreiben, auf die sie dringend angewiesen wäre. Sagt sie nein, liefert sie der Union Stoff für jede Menge Empörung. Bemerkenswert finde ich, dass Frau Schwan auf der Startseite der SPD (www.spd.de) gar nicht auftaucht. Und das zwei Tage vor der Bundespräsidentenwahl.
Einmal ist mir Frau Schwan auch persönlich erschienen. Das war bei der Sicherheitskontrolle am Stuttgarter Flughafen (ich sage immer „Fummelbude“ dazu) kurz nach der Bundespräsidentenwahl 2004. Während ich in der Schlange schön wartete, wurde sie von einem Begleiter direkt zur Kontrolle gebracht. Mit Unmengen von Handgepäck wurde sie dann mächtig gefilzt. Ich war schon lange durch als sie immer noch kontrolliert wurde. Der Kontrolleur schien auch nicht zu wissen, welchen Fisch er da an der Angel hatte. Ein gewisses Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.
04.09.2008 Politik
Vor einigen Wochen habe ich hier berichtet, dass ich den Newsletter von Barack Obama abonniert habe und dessen Mails von meinem Freemail-Anbieter immer als Spam markiert und in den entsprechenden Ordner verschoben werden. Jetzt beziehe ich auch den Newsletter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Und siehe da: Dessen Mails erreichen mich immer, weil sie nicht als Spam qualifiziert werden. Hat John McCain nun die professionelleren Leute, die es besser verstehen, ihre Werbemails unters Volk zu bringen? Oder hat da gar jemand manuelle Einstellungen vorgenommen? Ist John McCain in der Whitelist? Oder Obama in der Blacklist, weil sein Vater Farbiger ist? Kann ja wohl irgendwie nicht sein, oder?
P.S.: Der Newsletter von McCain gefällt mir viel besser. Der will wenigstens nicht dauernd Kohle (hat selbst eh genug). Vielleicht landen seine Mails deswegen auch nicht im Spamordner.
29.07.2008 Politik
Da kommt ein noch nicht mal von seiner Partei offiziell nominierter Präsidentschaftskandidat aus den USA nach Deutschland und die Leute drehen scheinbar durch. Auch ich habe mir letzte Woche seine Rede vor der Berliner Siegessäule in voller Länge im Fernsehen angeschaut. Als jemand, der seit zwanzig Jahren Politik interessiert verfolgt, bleibe ich skeptisch. Obama präsentiert sich fast schon als Retter der Welt. Wenn Obama gewählt wird, wendet sich alles zum Guten, könnte man meinen, wenn man seine Rede hört.
Eher zum Spaß habe ich mich auf seiner Website für den Newsletter eingetragen, den ich nun mehrmals wöchentlich erhalte. Die Mails werden vom Spamfilter meines E-Mail-Anbieters übrigens als solcher gefiltert. Wirklich übel nehmen kann ich dem Filter das nicht, denn außer Aufrufen, ich solle spenden! spenden! und nochmals spenden! enthalten die Mails wenig Substanzielles. Wenigstens ist Obama bescheiden und will meist nur fünf Dollar (in Euro umgerechnet also praktisch nichts). Auf mich wirkt das alles sehr befremdlich. Wahrscheinlich liegt das aber nur daran, dass ich amerikanische Wahlkämpfe nicht gewohnt bin.
Außer solchen “Spam-Mails” erhalte ich vorwiegend Spam für diverse Potenzmittel. Zum Glück brauche ich diese noch nicht. Auch die dubiosen Tipps für Aktien und allerlei schmutzige Seiten braucht eigentlich niemand. Eines haben die Spammer dem Präsidentschaftskandidaten aber voraus. Sie scheinen einfach effektivere Methoden entwickelt zu haben, ihre Mails überhaupt noch an den Mann oder an die Frau zu bringen. Klar, dass der Präsidentschaftskandidat da mithalten will. Wundert Euch also nicht, wenn Ihr demnächst Mails von “Barrr/\ck 0b/\m/\” bekommt. Sie könnten von dem Echten sein.
03.03.2008 Politik
Nicht dass ich meinen würde, man bräuchte die Linkspartei. Ich halte sie vielmehr für ein Produkt mangelnder Opposition in Zeiten einer großen Koalition. Während bei der ersten großen Koalition die Rechten Auftrieb erfuhren, ist es dieses Mal die Linkspartei. Das Wählerpotenzial dieser Parteien überschneidet sich, auch wenn die Linkspartei und Rechtsradikale programmatisch sicher sehr weit auseinander liegen. Beide Gruppierungen dürften ihre Wähler hauptsächlich aus Kreisen rekrutieren, die die Angst vor dem sozialen Abstieg oder mangelnde Aussicht auf einen Aufstieg plagt.
Der SPD-Vorsitzende wird nun schwer angegriffen, weil er auch im Westen eine (passive) Zusammenarbeit mit der Linkspartei ins Spiel bringt. Dass dies zur Empörung führt, wundert nicht. Wenn nun aber die CDU heftig mit den Grünen flirtet und sich so neue Optionen eröffnet, bleibt der SPD kaum etwas anderes übrig, ihrerseits ebenfalls nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Tut sie das nicht, bleibt sie wohl auf lange Zeit der Juniorpartner der Union in großen Koalitionen oder verschwindet gleich ganz in der Opposition.
Riskant ist das Spiel jedoch allemal. Für Wähler aus der Mitte, zu denen ich mich auch rechnen würde, wird die SPD damit kaum noch wählbar. Ich wollte jedenfalls nicht von der Linkspartei (mit)regiert werden. Die Folge einer Zusammenarbeit wäre m.E. zwangsläufig, dass die SPD in der Mitte verliert. Wo will sie aber hinzu gewinnen? Weiter links ist schon eine andere Partei und die Grünen positionieren sich dort auch irgendwo. Gut, dass ich nicht Vorsitzender der SPD bin und mir darüber ständig Gedanken machen muss.